Klein und dennoch global

Werkzeughersteller mibostahl gewinnt nach Insolvenz wieder Kunden.

Michael Knauer

GEVELSBERG. Die starke Stellung der Automobilindustrie in Deutschland ist nicht nur dem Erfolg von Weltmarken wie Daimler und Bosch zu verdanken, sondern auch dem Geschick zahlreicher kleiner Unternehmen.

Ein Beispiel dafür ist der Werkzeughersteller mibostahl in Gevelsberg bei Wuppertal. Nach einer im Januar abgeschlossenen Insolvenz hat das Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern und einem Umsatz von gut einer Million Euro wieder Tritt gefasst und in jüngster Zeit mehrere bedeutende Kunden gewonnen, darunter auch Hyundai. Möglich wurde dies durch enge Kontakte zu Kunden und durch die Entwicklung von höchst spezifischen Werkzeugen.

„Durch die Multimedia-Technik, den Insassenschutz und andere Entwicklungen werden die Kabelbäume im Fahrzeug umfangreicher und die Gehäuse-Steckkontakte immer ausgetüftelter. Genau hier stehen wir als flexibler Entwickler und Produzent für Entriegelungswerkzeuge parat“, erklärt Geschäftsführer und Inhaber Axel Giershausen die Strategie seines Unternehmens. Derzeit baut mibostahl auch seinen Vertrieb in Nordamerika, Russland, Indien und in der Türkei aus. Erstaunlich stark ist das Kleinunternehmen in Nordafrika vertreten, dort sind immerhin 18 seiner insgesamt 180 Kunden ansässig.

Das Beispiel von mibostahl zeigt, dass auch kleine Zulieferer im globalen Geschäft Chancen haben, wenn sie rechtzeitig ihre Stärken erkennen. Das zumindest ist das Fazit der jüngst vorgelegten Studie „Trend Monitor 2012“ von MBtech Consult. Insbesondere hätten die Automobilzulieferer noch viele Möglichkeiten, ihre Wertschöpfung im B2B-Vertrieb zu steigern, betont MBtech-Direktor Marc Bayer: „Durch Marktkenntnis und Kundennähe können strategische Fehlentscheidungen minimiert werden.“ Zugleich warnt Bayer davor, allein auf eine Differenzierung durch Innovation und Qualität zu setzen: „Für lokale Abnehmer aus den BRIC-Staaten gilt der Grundsatz ‚good enough´.“ Deshalb würden wettbewerbsfähige Preise im globalen Geschäft noch wichtiger.

Bericht aus der Automobilwoche (Ausgabe 21) vom 1. Oktober 2012 zum download.